Weihnachts/Dezemberkalender beim Blümchen, Türchen 9

Wahnsinn, wie die Zeit rennt, schon haben wir das neunte Türchen meines Kalenders und ihr macht alle sooooooooo fleißig mit. Ich bin total überwältigt. Scheinbar treffen ich jeden Tag genau den richtigen Geschmack mit meiner Auswahl. Ja und weil es so schön ist, mach ich einfach weiter damit.

Heute konnte ich die Autorin Sontje Beermann für meinen Dezemberkalender gewinnen und sie hat mir ein wirklich weihnachtlich tolles Buch mitgebracht, aber schaut soch einfach selbst mal…

hier sind wir auf der BuchBerlin 2019, so schön 🤩


Glühwein, Kuss und Currywurst

klick zum Buch


Ricky schmeißt das BWL-Studium und nimmt einen Job auf dem Weihnachtsmarkt an.

Dumm nur, dass sie Weihnachten hasst.

Die Glühweinhütte scheint jedoch ein ganz besonderer Ort zu sein.

So will Mark, der Kanzlei-Partner ihres Patenonkels, seine Kollegin Jill endlich davon überzeugen, dass sie für einander bestimmt sind.

Ihr ehemaliger Mitschüler Nikolas begegnet der Hobbytänzerin Rosalie, die mit ihrer Anmut nicht nur seine Zuckerbäckerfantasie anregt.

Zu guter Letzt trifft Ricky auf den Musiker Till, der sein altes Leben vergessen will.

Es dauert ein paar Tage, bis sie seiner Einladung folgt, doch dann ist da ohne Vorwarnung diese Anziehungskraft zwischen ihnen.

Sie geben ihr nach, es ist nichts mehr wie es war. Unversehens ist das Leben voller Möglichkeiten. 

Man muss nur zugreifen – und losgehen …

*** Dieser Roman mit viel Herz und Musik ist in sich abgeschlossen.***

Link zum Buch: https://amazon.de/gp/product/B0771TCZX1/

Leseproben Anfang:

Aller Anfang ist …

… scheiße. Ehrlich!

Was, zum Teufel, tat sie hier? Sie hasste Weihnachten. Wie die Pest.

Der Firlefanz, die Kerzen, die übermäßige Gemütlichkeit. All das ging ihr tierisch auf die Nerven.

In ihrer eigenen Bude boykottierte sie es. Kein „Last Christmas“, kein Adventskranz, keine Dominosteine, Vanillekipferl oder Ähnliches. Die warf sie in die nächstbeste Tonne, sobald sie die adventssonntägliche Stippvisite bei ihren Eltern absolviert hatte. Ihre Mutter liebte die Vorweihnachtszeit so sehr, dass sie acht Wochen vor den Feiertagen anfing zu backen. Und Familie und Freunde mit den Ergebnissen ihres Backwahns zu versorgen.

Sie hoffte, ihre Eltern dieses Jahr seltener besuchen zu müssen. Ihr neuer Job stellte die ideale Ausrede dar.

Auf diese Weise konnte sie es hinauszögern, ihnen die Wahrheit zu sagen.

Sie würden sie erwürgen.

Und ihr den Geldhahn zudrehen.

Ricky warf den Pappbecher in den nächsten Mülleimer und betrat den Hühnerstall.

Der Hamburger Weihnachtsmarkt war eröffnet.

Teil 1 – Der perfekte Deal

(aus Kapitel 1.2)

Bis zum Hauptgang, einem traumhaft zarten Fischfilet auf Gemüsebett, unterhielt Mark sie mit Anekdoten aus seiner Studienzeit und nötigte ihr die gleichen Informationen ab.

„Hattest du auch den Beller als Dozenten in Arbeitsrecht I?“, fragte Jill und trank ihren Wein aus. Ihre verkrampfte Haltung hatte sich längst gelöst, und sie genoss seine Gesellschaft.

„Und ob! Am besten ist mir sein Markenzeichen in Erinnerung geblieben: Immer klagen!“ Er imitierte Bellers Stimme und Tonfall.

„Ich habe mich ständig über seine Gesten kaputtgelacht. Wie er die Hand bewegte, den Kopf dazu, das erinnerte mich total an die Augsburger Puppenkiste.“

„Treffend beobachtet.“ Mark grinste sie an und brachte damit ihren Magen zum Flattern.

Jill fuhr sich mit der Hand über den Haaransatz im Nacken.

„Diese Geste machst du immer, wenn dir etwas nicht ganz angenehm ist“, meinte er unvermittelt.

Sie blickte auf, fühlte sich ertappt. Wie genau hatte er sie in den letzten Wochen beobachtet?

„Habe ich etwas Falsches gesagt?“

Jill schüttelte den Kopf und bemühte sich um Lässigkeit. „Nein, nein, es ist alles in Ordnung.“

Die Teller wurden abgeräumt, der Kellner schenkte ihr Wein nach. Mark entschied sich für Wasser.

„Ich muss zugeben, dass ich mich wahnsinnig gerne mit dir unterhalte“, meinte er und sah ihr in die Augen. „Ich freue mich über jede Gelegenheit.“

Sie lächelte. „Geht mir genauso.“

Diese Gespräche hatten sich erst im Laufe des Bärenberg-Falls ergeben und sich rasch zu einer schönen Angewohnheit entwickelt. Ihre Besprechungen hatten immer öfter zum Ende der Arbeitszeit stattgefunden und waren dann in Unterhaltungen über Gott und die Welt übergegangen, oft begleitet von einem Glas Wein.

Mark streckte seine Hand nach ihrer Linken aus, seine Finger strichen federleicht die ihren hinauf und dann über ihren Handrücken, malten Kreise auf ihre Haut. Sie fühlte sich wie hypnotisiert.

„Ich weiß überhaupt nichts Privates von dir. Du trennst das sehr strikt.“

„So wie du“, gab sie zurück und räusperte sich.

„Erwischt. Aber das muss ja nicht so bleiben.“

Jill verschränkte die Fußknöchel, ihre Füße verkrampften sich. „Was meinst du damit?“

„Dass ich alles von dir wissen möchte.“

„Du glaubst nicht wirklich, dass ich dir irgendwelche Intimitäten verrate!“ Ihr Lachen klang selbst in ihren eigenen Ohren unsicher.

„Das hat Zeit. Jetzt will ich nur wissen, ob du liiert bist.“

Sie zögerte, schüttelte dann aber den Kopf.

„Gut, ich auch nicht.“

Sie spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss. Er hatte sie aus der Bahn geworfen.

Zu ihrer Erlösung tauchte der Kellner auf und servierte das Dessert, ein Limoncello-Tiramisu mit goldgelbem Gitter darüber.

Jill nahm den Löffel auf und konzentrierte sich auf ihren Teller. Mit sanftem Druck durchstieß sie die Karamellkruste, nahm die Süßspeise auf und kostete. Sie zerging auf der Zunge, die Zuckerfäden knackten und die süßen und sauren Noten ließen ihre Geschmacksnerven explodieren.

Sie schloss die Augen und stöhnte unbewusst auf. Phantastisch!

„Mach das nochmal“, stieß Mark hervor.

Ihre Lider flogen auf, sie schluckte. „Was?“

„Dieses Geräusch … mach das nochmal, es ist …“, er machte eine unbeholfene Geste, „aufregend.“

Das Glühen in ihrem Bauch wurde stärker, breitete sich aus. Himmel, sie hatte es seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gespürt. Und wenn er es durch bloße Worte hervorrufen konnte … Nein, sie musste dieser Anziehungskraft widerstehen. Wie seit Jahren.

Sie widmete sich ihrem Dessert und versuchte, es zu genießen. Doch eine Frage rotierte immer wieder durch ihre Gedanken. Beim Espresso sprach sie diese schließlich aus.

„Mark, warum hast du mich heute Abend eingeladen?“

„Ist es nicht offensichtlich?“ Er schmunzelte, sie sah ihn nur an.

„Unsere Zusammenarbeit und unsere Gespräche haben mich neugierig gemacht. Auf dich, auf die Frau hinter dem Job. Wie wäre es, wenn wir noch zu dir oder zu mir gehen? Du könntest mir noch etwas über dich erzählen, bei einem Wein oder zwei …“

Jill biss sich auf die Unterlippe, sah ihm direkt in die warmen braunen Augen. Was hatte er vor? Wollte er sie verführen?

„Danke, ich habe genug getrunken für heute.“

Mark ließ erneut die Finger über ihre Hand streichen. „Niemals die Kontrolle verlieren, richtig?“, murmelte er. „Dabei kann das so wunderschön sein.“ Sein Blick war verheißungsvoll.

Jill schluckte, das Glühen wurde zu flüssigem Feuer, das ihren Körper in Besitz zu nehmen schien.

Nein, nein, nein! Das kam nicht in Frage.

Sie atmete tief durch, sammelte sich und trank den letzten Rest Espresso. Dann sah sie ihm in die Augen.

„Ich glaube, wir sollten den Abend an dieser Stelle beenden.“ Sie tupfte sich mit der Serviette den Mund ab.

Mark schien bestürzt. „Aber, Jill, ich … Entschuldige, ich war zu plump, nicht wahr?“

Sie reagierte nicht darauf, wollte nur noch aus der Gefahrenzone und schob den Stuhl zurück.

„Mach dir keine Umstände, ich nehme ein Taxi.“

Teil 2 – Der Tanz des Zuckerbäckers

(aus Kapitel 2.3)

Au Mann, was für ein Ende!

Rosalie klappte das Buch zu und wischte sich die Tränen aus den Augen, seufzte. Bevor sie für ihren Blog die Rezension zu dem Fantasy-Roman schreiben konnte, musste sie erst einmal darüber schlafen. So aufgewühlt wie sie war, fand sie im Moment gar nicht die passenden Worte, um der Geschichte gerecht zu werden.

Sie seufzte erneut und griff nach ihrer Teetasse.

„Hallo“, erklang es da schräg vor ihr, dann ein Räuspern.

Rosalie hob den Kopf und sah auf einen dunklen Pullover und eine weiße Schachtel davor. Sie blickte höher und in ein Paar graublaue Augen. Der Typ von Freitag!

Sie japste auf.

„Oh, tut mir leid, habe ich dich erschreckt? Das wollte ich nicht, ehrlich“, stammelte er und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar.

Rosalie stieß die Luft aus, die sie aus Reflex angehalten hatte, schüttelte den Kopf und hob die Hand.

„Nein, nein, ist schon in Ordnung.“ Sie versuchte ein Lächeln. „Du warst Freitag schon hier, oder?“

Er nickte und lächelte, streckte ihr die Hand entgegen. „Ich bin Nikolas.“

„Rosalie.“ Sie erwiderte den Händedruck und schon war dieses Gefühl wieder da.

Ein träumerischer Ausdruck huschte über sein Gesicht. „Rosalie“, flüsterte er, es klang ehrfürchtig.

Sie runzelte die Stirn und ließ seine Hand los. „Ist alles in Ordnung?“

Irgendetwas war seltsam an ihm.

Nikolas blinzelte mehrfach, als ob er aus einem Traum erwachen würde. „Ja, sicher, alles gut. Ich …“ Er zögerte und blickte auf die Schachtel hinab, dann hielt er sie ihr hin.

„Ich … ich habe dir etwas mitgebracht. Extra für dichgemacht.“

Sie sah Stolz in seinen Augen aufblitzen, war irritiert.

„Für mich? Aber wir kennen uns doch gar nicht.“

„Ich konnte nicht anders, du hast mich dazu inspiriert.“ Sein Gesichtsausdruck wechselte zu einer Mischung aus Ehrfurcht und … Zuneigung?

Rosalie schluckte und versuchte, das Flattern in ihrem Bauch zu beruhigen. Was sollte sie tun? 

„Oh je, ich war zu aufdringlich, nicht wahr?“ Nikolas zog die Schachtel zurück und machte einen Schritt nach hinten.

„Nein, warte!“ 

Himmel, sie wollte wahrhaftig nicht, dass er ging! In ihr herrschte ein Aufruhr, wie sie ihn nie zuvor erlebt hatte, aber sie wollte nicht, dass er sofort wieder verschwand.

Also lächelte sie. „Du hast mich total überfahren. Mich hat noch niemand gleich mit einem Geschenk angequatscht.“

Der junge, schlanke Mann biss sich auf die Lippe und hielt ihr noch einmal den Karton hin. Sie nahm ihn entgegen, schob das Buch zur Seite und stellte ihn vor sich auf den Tisch. Dann öffnete sie die Schachtel, langsam und vorsichtig.

Bevor sie etwas sehen konnte, überwältigte sie der Duft. Sie roch Zucker, nein, Karamell. Butter, Schokolade und etwas Fruchtiges. Sie schnupperte, konzentrierte sich mit geschlossenen Augen auf die Aromen. Schließlich öffnete sie die Schachtel ganz und spähte hinein. Sie sah zwei Törtchen, wie aufgestellte Quader, mit weißer Schokolade über-zogen, mit einem Tupfer Sahne und einem Karamellgitter garniert.

Rosalie sah ihn an, wusste aber nichts zu sagen. Sie bemerkte seine Aufregung und griff nach dem Teelöffel neben ihrer leeren Tasse. Mit der Spitze durchbrach sie die Schokolade und das Innere bis zum Kartonboden. Sie nahm den Löffel heraus, musterte das Innere des Gebäckstücks und führte ihn zum Mund. Kaum hatte sie den leeren Löffel wieder herausgezogen, explodierten die Aromen in ihrem Mund.

Sie genoss die Köstlichkeit, spürte den Konsistenzen und Eindrücken nach.

„Wahnsinn“, hauchte Rosalie schließlich und sah zu ihm auf.

Ein strahlendes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Schmeckt es dir?“

Sie nickte. „Und wie!

Sie nahm noch einen Löffel und aß diesmal mit geschlossenen Augen. Schließlich seufzte sie und blickte ihm in die Augen. „Phantastisch! Und du hast das extra für mich gemacht?“

„Ja, aber nicht nur für dich“, berichtigte er. „Du hast mich dazu inspiriert.“

Ein Kribbeln und Glühen strahlte vom Bauch in ihren Körper. „Einfach so?“

Nikolas zuckte die Schultern. „Ich habe das ganze Wochenende an dich gedacht und war auch gestern Abend wieder hier. Als ich dich angesehen habe, hatte ich sofort diese Kreation im Kopf.“

Verdammt, jetzt wurde sie bestimmt rot. Zumindest fühlten sich ihre Wangen an, als würden sie brennen. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, stammelte sie.

„Das ist schon okay“, meinte er und zog sich einen Schritt zurück. „Ich wollte sie dir nur geben.“

Oh nein, er durfte nicht gehen!

Rosalie streckte eine Hand nach ihm aus, berührte ihn aber nicht. „Bleib doch noch! Wollen wir etwas zusammen trinken?“

Wieder erhellte dieses strahlende Lächeln sein Gesicht, er nickte. „Bin gleich wieder da.“

Teil 3 – Liebeslieder lügen nicht

(aus Kapitel 3.3.)

„Ich habe dich gestern an der Binnenalster gesehen.“

Ricky sah vom Gläserpolieren auf. „Ach ja?“

Till nickte. „Du warst mit einer Fotokamera unterwegs, sah ziemlich professionell aus. Machst du das hauptberuflich?“

„Nein, leider nicht.“

„Sondern?“

Sie seufzte. „Hauptberuflich bin ich zurzeit Barkeeperin. Ich habe mein BWL-Studium geschmissen.“

Jetzt musste er lachen. „Du? Ein BWL-Studium? Das geht doch gar nicht zusammen.“

„Das habe ich mir auch gedacht.“ Ricky stellte das Glas ins Regal hinter sich und nahm das nächste zur Hand.

„Das Fotografieren passt schon eher zu dir, ich hatte gleich das Gefühl, dass du eine kreative Seele bist.“

Sie verzog einen Mundwinkel zu einem spöttischen Lächeln. „Laber nicht.“

„Nein, wirklich. Kreative erkennen Kreative.“

„Und was wäre das bei dir?“

Er zögerte. „Ähm, Musik.“

„Aah ja … in einer Hinterhofband oder was?“

„So ähnlich.“

Ricky schüttelte den Kopf, der rote Stein an ihrem Piercing blitzte, so dass er darauf starrte. Er hatte noch keine Frau mit Piercing geküsst und überlegte, wie sich das anfühlen würde. Ihre Lippen gefielen ihm ebenfalls …

Unvermittelt schnipste es vor seinen Augen. „Hallo?“

Er blinzelte und sah sie an. „Was?“

„Möchtest du noch ein Bier? Oder machst du heute mal langsam?“

„Beides.“

Till schürzte die Lippen. Der Wunsch, sie zu küssen, hatte ihn verwirrt. Wie kam er nur darauf?

„Danke nochmal, dass du mich ins Taxi verfrachtet hast. Ich habe es Samstag echt übertrieben, oder?“

„Kann man so sagen.“ Sie stellte das Glas vor ihm auf den Bierdeckel.

„Kann ich mich irgendwie erkenntlich zeigen?“

„Brauchst du nicht.“

„Möchte ich aber.“

„Nein, danke.“

„Kann ich dich nach Feierabend zu einer Currywurst ein-laden? Ich könnte mir denken, dass schick essen gehen nicht so dein Ding ist.“

„Mit Punkt zwei hast du recht.“

„Und was ist mit Punkt eins?“

„Wirklich nicht, danke.“

„Aber …“

„Nerv nicht rum!“ Sie wandte sich abrupt ab und ging zu-rück zu ihren Zapfhähnen.

Till grinste und ließ den Blick von unten nach oben über ihren Körper gleiten. Irgendetwas an ihr faszinierte ihn, aber er wusste nicht, ob es ihre üppigen Kurven waren, das rebellische Äußere oder das freche Innere. Möglicherweise war es diese unwiderstehliche Mischung, die ihn beeindruckte.

Und jeden Tag in den Hühnerstall lockte.

Schon am nächsten Abend wurde ihm bewusst, dass er nur wegen ihr an der Bar saß. Er freute sich den ganzen Tag auf die Wortwechsel, ihren übereinstimmenden Humor. Selbst seine Gedanken beschäftigten sich vorrangig mit Ricky. Lieber das, als die Erinnerungen an die Scheiße der letzten Monate.

Ab und zu blitzte eine gewisse Traurigkeit in ihrem Gesicht auf. Wenn sie sich unbeobachtet wähnte. Himmel, sie war vielleicht Mitte zwanzig, sie sollte diese Traurigkeit nicht in sich tragen, aber wer wusste schon, was dahintersteckte. Irgendein Päckchen hatte jeder zu schultern, auch er …

Nein, er wollte doch nicht mehr darüber nachdenken.

Till wollte lieber mit Ricky lachen, sie aus der Reserve locken, einen Blick in ihre Seele erhaschen.

Dementsprechend gab er nicht auf und lud sie wieder zu einer Currywurst ein.

Jeden Abend.

Auch am Freitag.

Doch diesmal überraschte sie ihn.

Aller Anfang ist …

… scheiße. Ehrlich!

Was, zum Teufel, tat sie hier? Sie hasste Weihnachten. Wie die Pest.

Der Firlefanz, die Kerzen, die übermäßige Gemütlichkeit. All das ging ihr tierisch auf die Nerven.

In ihrer eigenen Bude boykottierte sie es. Kein „Last Christmas“, kein Adventskranz, keine Dominosteine, Vanillekipferl oder Ähnliches. Die warf sie in die nächstbeste Tonne, sobald sie die adventssonntägliche Stippvisite bei ihren Eltern absolviert hatte. Ihre Mutter liebte die Vorweihnachtszeit so sehr, dass sie acht Wochen vor den Feiertagen anfing zu backen. Und Familie und Freunde mit den Ergebnissen ihres Backwahns zu versorgen.

Sie hoffte, ihre Eltern dieses Jahr seltener besuchen zu müssen. Ihr neuer Job stellte die ideale Ausrede dar.

Auf diese Weise konnte sie es hinauszögern, ihnen die Wahrheit zu sagen.

Sie würden sie erwürgen.

Und ihr den Geldhahn zudrehen.

Ricky warf den Pappbecher in den nächsten Mülleimer und betrat den Hühnerstall.

Der Hamburger Weihnachtsmarkt war eröffnet.

Teil 1 – Der perfekte Deal

(aus Kapitel 1.2)

Bis zum Hauptgang, einem traumhaft zarten Fischfilet auf Gemüsebett, unterhielt Mark sie mit Anekdoten aus seiner Studienzeit und nötigte ihr die gleichen Informationen ab.

„Hattest du auch den Beller als Dozenten in Arbeitsrecht I?“, fragte Jill und trank ihren Wein aus. Ihre verkrampfte Haltung hatte sich längst gelöst, und sie genoss seine Gesellschaft.

„Und ob! Am besten ist mir sein Markenzeichen in Erinnerung geblieben: Immer klagen!“ Er imitierte Bellers Stimme und Tonfall.

„Ich habe mich ständig über seine Gesten kaputtgelacht. Wie er die Hand bewegte, den Kopf dazu, das erinnerte mich total an die Augsburger Puppenkiste.“

„Treffend beobachtet.“ Mark grinste sie an und brachte damit ihren Magen zum Flattern.

Jill fuhr sich mit der Hand über den Haaransatz im Nacken.

„Diese Geste machst du immer, wenn dir etwas nicht ganz angenehm ist“, meinte er unvermittelt.

Sie blickte auf, fühlte sich ertappt. Wie genau hatte er sie in den letzten Wochen beobachtet?

„Habe ich etwas Falsches gesagt?“

Jill schüttelte den Kopf und bemühte sich um Lässigkeit. „Nein, nein, es ist alles in Ordnung.“

Die Teller wurden abgeräumt, der Kellner schenkte ihr Wein nach. Mark entschied sich für Wasser.

„Ich muss zugeben, dass ich mich wahnsinnig gerne mit dir unterhalte“, meinte er und sah ihr in die Augen. „Ich freue mich über jede Gelegenheit.“

Sie lächelte. „Geht mir genauso.“

Diese Gespräche hatten sich erst im Laufe des Bärenberg-Falls ergeben und sich rasch zu einer schönen Angewohnheit entwickelt. Ihre Besprechungen hatten immer öfter zum Ende der Arbeitszeit stattgefunden und waren dann in Unterhaltungen über Gott und die Welt übergegangen, oft begleitet von einem Glas Wein.

Mark streckte seine Hand nach ihrer Linken aus, seine Finger strichen federleicht die ihren hinauf und dann über ihren Handrücken, malten Kreise auf ihre Haut. Sie fühlte sich wie hypnotisiert.

„Ich weiß überhaupt nichts Privates von dir. Du trennst das sehr strikt.“

„So wie du“, gab sie zurück und räusperte sich.

„Erwischt. Aber das muss ja nicht so bleiben.“

Jill verschränkte die Fußknöchel, ihre Füße verkrampften sich. „Was meinst du damit?“

„Dass ich alles von dir wissen möchte.“

„Du glaubst nicht wirklich, dass ich dir irgendwelche Intimitäten verrate!“ Ihr Lachen klang selbst in ihren eigenen Ohren unsicher.

„Das hat Zeit. Jetzt will ich nur wissen, ob du liiert bist.“

Sie zögerte, schüttelte dann aber den Kopf.

„Gut, ich auch nicht.“

Sie spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss. Er hatte sie aus der Bahn geworfen.

Zu ihrer Erlösung tauchte der Kellner auf und servierte das Dessert, ein Limoncello-Tiramisu mit goldgelbem Gitter darüber.

Jill nahm den Löffel auf und konzentrierte sich auf ihren Teller. Mit sanftem Druck durchstieß sie die Karamellkruste, nahm die Süßspeise auf und kostete. Sie zerging auf der Zunge, die Zuckerfäden knackten und die süßen und sauren Noten ließen ihre Geschmacksnerven explodieren.

Sie schloss die Augen und stöhnte unbewusst auf. Phantastisch!

„Mach das nochmal“, stieß Mark hervor.

Ihre Lider flogen auf, sie schluckte. „Was?“

„Dieses Geräusch … mach das nochmal, es ist …“, er machte eine unbeholfene Geste, „aufregend.“

Das Glühen in ihrem Bauch wurde stärker, breitete sich aus. Himmel, sie hatte es seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gespürt. Und wenn er es durch bloße Worte hervorrufen konnte … Nein, sie musste dieser Anziehungskraft widerstehen. Wie seit Jahren.

Sie widmete sich ihrem Dessert und versuchte, es zu genießen. Doch eine Frage rotierte immer wieder durch ihre Gedanken. Beim Espresso sprach sie diese schließlich aus.

„Mark, warum hast du mich heute Abend eingeladen?“

„Ist es nicht offensichtlich?“ Er schmunzelte, sie sah ihn nur an.

„Unsere Zusammenarbeit und unsere Gespräche haben mich neugierig gemacht. Auf dich, auf die Frau hinter dem Job. Wie wäre es, wenn wir noch zu dir oder zu mir gehen? Du könntest mir noch etwas über dich erzählen, bei einem Wein oder zwei …“

Jill biss sich auf die Unterlippe, sah ihm direkt in die warmen braunen Augen. Was hatte er vor? Wollte er sie verführen?

„Danke, ich habe genug getrunken für heute.“

Mark ließ erneut die Finger über ihre Hand streichen. „Niemals die Kontrolle verlieren, richtig?“, murmelte er. „Dabei kann das so wunderschön sein.“ Sein Blick war verheißungsvoll.

Jill schluckte, das Glühen wurde zu flüssigem Feuer, das ihren Körper in Besitz zu nehmen schien.

Nein, nein, nein! Das kam nicht in Frage.

Sie atmete tief durch, sammelte sich und trank den letzten Rest Espresso. Dann sah sie ihm in die Augen.

„Ich glaube, wir sollten den Abend an dieser Stelle beenden.“ Sie tupfte sich mit der Serviette den Mund ab.

Mark schien bestürzt. „Aber, Jill, ich … Entschuldige, ich war zu plump, nicht wahr?“

Sie reagierte nicht darauf, wollte nur noch aus der Gefahrenzone und schob den Stuhl zurück.

„Mach dir keine Umstände, ich nehme ein Taxi.“

Teil 2 – Der Tanz des Zuckerbäckers

(aus Kapitel 2.3)

Au Mann, was für ein Ende!

Rosalie klappte das Buch zu und wischte sich die Tränen aus den Augen, seufzte. Bevor sie für ihren Blog die Rezension zu dem Fantasy-Roman schreiben konnte, musste sie erst einmal darüber schlafen. So aufgewühlt wie sie war, fand sie im Moment gar nicht die passenden Worte, um der Geschichte gerecht zu werden.

Sie seufzte erneut und griff nach ihrer Teetasse.

„Hallo“, erklang es da schräg vor ihr, dann ein Räuspern.

Rosalie hob den Kopf und sah auf einen dunklen Pullover und eine weiße Schachtel davor. Sie blickte höher und in ein Paar graublaue Augen. Der Typ von Freitag!

Sie japste auf.

„Oh, tut mir leid, habe ich dich erschreckt? Das wollte ich nicht, ehrlich“, stammelte er und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar.

Rosalie stieß die Luft aus, die sie aus Reflex angehalten hatte, schüttelte den Kopf und hob die Hand.

„Nein, nein, ist schon in Ordnung.“ Sie versuchte ein Lächeln. „Du warst Freitag schon hier, oder?“

Er nickte und lächelte, streckte ihr die Hand entgegen. „Ich bin Nikolas.“

„Rosalie.“ Sie erwiderte den Händedruck und schon war dieses Gefühl wieder da.

Ein träumerischer Ausdruck huschte über sein Gesicht. „Rosalie“, flüsterte er, es klang ehrfürchtig.

Sie runzelte die Stirn und ließ seine Hand los. „Ist alles in Ordnung?“

Irgendetwas war seltsam an ihm.

Nikolas blinzelte mehrfach, als ob er aus einem Traum erwachen würde. „Ja, sicher, alles gut. Ich …“ Er zögerte und blickte auf die Schachtel hinab, dann hielt er sie ihr hin.

„Ich … ich habe dir etwas mitgebracht. Extra für dichgemacht.“

Sie sah Stolz in seinen Augen aufblitzen, war irritiert.

„Für mich? Aber wir kennen uns doch gar nicht.“

„Ich konnte nicht anders, du hast mich dazu inspiriert.“ Sein Gesichtsausdruck wechselte zu einer Mischung aus Ehrfurcht und … Zuneigung?

Rosalie schluckte und versuchte, das Flattern in ihrem Bauch zu beruhigen. Was sollte sie tun? 

„Oh je, ich war zu aufdringlich, nicht wahr?“ Nikolas zog die Schachtel zurück und machte einen Schritt nach hinten.

„Nein, warte!“ 

Himmel, sie wollte wahrhaftig nicht, dass er ging! In ihr herrschte ein Aufruhr, wie sie ihn nie zuvor erlebt hatte, aber sie wollte nicht, dass er sofort wieder verschwand.

Also lächelte sie. „Du hast mich total überfahren. Mich hat noch niemand gleich mit einem Geschenk angequatscht.“

Der junge, schlanke Mann biss sich auf die Lippe und hielt ihr noch einmal den Karton hin. Sie nahm ihn entgegen, schob das Buch zur Seite und stellte ihn vor sich auf den Tisch. Dann öffnete sie die Schachtel, langsam und vorsichtig.

Bevor sie etwas sehen konnte, überwältigte sie der Duft. Sie roch Zucker, nein, Karamell. Butter, Schokolade und etwas Fruchtiges. Sie schnupperte, konzentrierte sich mit geschlossenen Augen auf die Aromen. Schließlich öffnete sie die Schachtel ganz und spähte hinein. Sie sah zwei Törtchen, wie aufgestellte Quader, mit weißer Schokolade über-zogen, mit einem Tupfer Sahne und einem Karamellgitter garniert.

Rosalie sah ihn an, wusste aber nichts zu sagen. Sie bemerkte seine Aufregung und griff nach dem Teelöffel neben ihrer leeren Tasse. Mit der Spitze durchbrach sie die Schokolade und das Innere bis zum Kartonboden. Sie nahm den Löffel heraus, musterte das Innere des Gebäckstücks und führte ihn zum Mund. Kaum hatte sie den leeren Löffel wieder herausgezogen, explodierten die Aromen in ihrem Mund.

Sie genoss die Köstlichkeit, spürte den Konsistenzen und Eindrücken nach.

„Wahnsinn“, hauchte Rosalie schließlich und sah zu ihm auf.

Ein strahlendes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Schmeckt es dir?“

Sie nickte. „Und wie!

Sie nahm noch einen Löffel und aß diesmal mit geschlossenen Augen. Schließlich seufzte sie und blickte ihm in die Augen. „Phantastisch! Und du hast das extra für mich gemacht?“

„Ja, aber nicht nur für dich“, berichtigte er. „Du hast mich dazu inspiriert.“

Ein Kribbeln und Glühen strahlte vom Bauch in ihren Körper. „Einfach so?“

Nikolas zuckte die Schultern. „Ich habe das ganze Wochenende an dich gedacht und war auch gestern Abend wieder hier. Als ich dich angesehen habe, hatte ich sofort diese Kreation im Kopf.“

Verdammt, jetzt wurde sie bestimmt rot. Zumindest fühlten sich ihre Wangen an, als würden sie brennen. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, stammelte sie.

„Das ist schon okay“, meinte er und zog sich einen Schritt zurück. „Ich wollte sie dir nur geben.“

Oh nein, er durfte nicht gehen!

Rosalie streckte eine Hand nach ihm aus, berührte ihn aber nicht. „Bleib doch noch! Wollen wir etwas zusammen trinken?“

Wieder erhellte dieses strahlende Lächeln sein Gesicht, er nickte. „Bin gleich wieder da.“

Teil 3 – Liebeslieder lügen nicht

(aus Kapitel 3.3.)

„Ich habe dich gestern an der Binnenalster gesehen.“

Ricky sah vom Gläserpolieren auf. „Ach ja?“

Till nickte. „Du warst mit einer Fotokamera unterwegs, sah ziemlich professionell aus. Machst du das hauptberuflich?“

„Nein, leider nicht.“

„Sondern?“

Sie seufzte. „Hauptberuflich bin ich zurzeit Barkeeperin. Ich habe mein BWL-Studium geschmissen.“

Jetzt musste er lachen. „Du? Ein BWL-Studium? Das geht doch gar nicht zusammen.“

„Das habe ich mir auch gedacht.“ Ricky stellte das Glas ins Regal hinter sich und nahm das nächste zur Hand.

„Das Fotografieren passt schon eher zu dir, ich hatte gleich das Gefühl, dass du eine kreative Seele bist.“

Sie verzog einen Mundwinkel zu einem spöttischen Lächeln. „Laber nicht.“

„Nein, wirklich. Kreative erkennen Kreative.“

„Und was wäre das bei dir?“

Er zögerte. „Ähm, Musik.“

„Aah ja … in einer Hinterhofband oder was?“

„So ähnlich.“

Ricky schüttelte den Kopf, der rote Stein an ihrem Piercing blitzte, so dass er darauf starrte. Er hatte noch keine Frau mit Piercing geküsst und überlegte, wie sich das anfühlen würde. Ihre Lippen gefielen ihm ebenfalls …

Unvermittelt schnipste es vor seinen Augen. „Hallo?“

Er blinzelte und sah sie an. „Was?“

„Möchtest du noch ein Bier? Oder machst du heute mal langsam?“

„Beides.“

Till schürzte die Lippen. Der Wunsch, sie zu küssen, hatte ihn verwirrt. Wie kam er nur darauf?

„Danke nochmal, dass du mich ins Taxi verfrachtet hast. Ich habe es Samstag echt übertrieben, oder?“

„Kann man so sagen.“ Sie stellte das Glas vor ihm auf den Bierdeckel.

„Kann ich mich irgendwie erkenntlich zeigen?“

„Brauchst du nicht.“

„Möchte ich aber.“

„Nein, danke.“

„Kann ich dich nach Feierabend zu einer Currywurst ein-laden? Ich könnte mir denken, dass schick essen gehen nicht so dein Ding ist.“

„Mit Punkt zwei hast du recht.“

„Und was ist mit Punkt eins?“

„Wirklich nicht, danke.“

„Aber …“

„Nerv nicht rum!“ Sie wandte sich abrupt ab und ging zu-rück zu ihren Zapfhähnen.

Till grinste und ließ den Blick von unten nach oben über ihren Körper gleiten. Irgendetwas an ihr faszinierte ihn, aber er wusste nicht, ob es ihre üppigen Kurven waren, das rebellische Äußere oder das freche Innere. Möglicherweise war es diese unwiderstehliche Mischung, die ihn beeindruckte.

Und jeden Tag in den Hühnerstall lockte.

Schon am nächsten Abend wurde ihm bewusst, dass er nur wegen ihr an der Bar saß. Er freute sich den ganzen Tag auf die Wortwechsel, ihren übereinstimmenden Humor. Selbst seine Gedanken beschäftigten sich vorrangig mit Ricky. Lieber das, als die Erinnerungen an die Scheiße der letzten Monate.

Ab und zu blitzte eine gewisse Traurigkeit in ihrem Gesicht auf. Wenn sie sich unbeobachtet wähnte. Himmel, sie war vielleicht Mitte zwanzig, sie sollte diese Traurigkeit nicht in sich tragen, aber wer wusste schon, was dahintersteckte. Irgendein Päckchen hatte jeder zu schultern, auch er …

Nein, er wollte doch nicht mehr darüber nachdenken.

Till wollte lieber mit Ricky lachen, sie aus der Reserve locken, einen Blick in ihre Seele erhaschen.

Dementsprechend gab er nicht auf und lud sie wieder zu einer Currywurst ein.

Jeden Abend.

Auch am Freitag.

Doch diesmal überraschte sie ihn.

Leseprobe Ende!

Hier findet ihr die Homepage der Autorin.

Alina hat mir einige wundervolle Schnipselbilder zur Verfügung gestellt, welche ich euch hier in einer Diashow präsentiere:

Für meinen Kalender stellt die Autorin ein Taschenbuch zur Verfügung. Über liebe Kommentare unter diesem Beitrag freuen die Autorin und ich mich jetzt schon.

Den Gewinner gebe ich morgen, hier in den Kommentaren bekannt, also dran bleiben und viel Glück!

Ohne Kleingedrucktes geht es leider nicht, hier ist mein Gewinnspielhinweis für euch.

Viel Glück und

Grüßle eure Ela