Büchertour mit Nadja Losbohm – Tag 8.2

Und schon geht es weiter, dieses Mal lasse ich die Autorin selbst zu Wort kommen:

Nadja: An den Tag, an dem ich die ersten Worte meines ersten Fantasy Romans geschrieben habe, kann ich mich nicht mehr erinnern. Nur an so viel, dass ich damals vor etwa achtzehn Jahren einen großen, unbändigen Drang verspürte, eine Geschichte zu schreiben über Mut, Freundschaft, Liebe, Aufopferung und Magie. Insgesamt dauerte es zehn Jahre bis das Manuskript fertiggestellt war und das Buch tatsächlich erschien. Der Hauptgrund dafür war, dass ich die Geschichte jahrelang nicht anrührte, schlicht und ergreifend aus dem Grund, weil ich nicht wollte, dass es endete. Ein Buch zu beenden, bedeutet immer Abschied zu nehmen von den Figuren, von der Welt, in der sie leben. Zumindest dann, wenn es ein Einzelband ist. Bei Reihen gibt es noch ein Wiedersehen und noch eins und noch eins – bis schließlich auch das zu Ende ist. Aber irgendwann setzte ich doch das kleine Wörtchen „Ende“ unter das Manuskript. Man kann sich ja nicht auf ewig davor drücken. 😉

Doch so fing es bei mir mit dem Schreiben an, zu dem mich übrigens ein Schauspieler/ Künstler inspirierte, der so viele verschiedene Dinge machte: Film, Malerei, Musik, Fotografie. Diese Vielseitigkeit hat mich sehr beeindruckt, denn bis dahin hatte ich lediglich gemalt und gezeichnet, ein Geschenk meiner Eltern, die beide in jungen Jahren wunderbar gemalt haben. Das erste Buch entfachte eine neue Leidenschaft, das Schreiben. Es ließ mich nicht mehr los. Nur stellte sich die Frage: Was erzähle ich als nächstes?

„Die Jägerin“, eine 6-teilige abgeschlossene Fantasy-Romance-Buchreihe, folgte. Noch heute wundere ich mich und Bewundere ich, wie sie zu mir gekommen ist. Ein Kommentar hier, ein Bild da, Worte im Halbschlaf, die vor meinem inneren Auge erschienen – zack! – waren Ada, die Jägerin, und ihr Mentor Pater Michael geboren, zwei Charaktere, die einem Autor nicht jeden Tag geschenkt werden und ich sie deshalb auch nicht als selbstverständlich ansehe. 6 ½ Jahre dauerte es insgesamt, bis sie ihre Geschichte zu Ende erzählt hatten, und was für eine Zeit das war, eine Zeit von hohen Erwartungen, zerplatzten Träumen und viel Kampf um den Abschlussband der Serie. Ada hat ihre Geschichte erzählt. Mit Pater Michael verbringe ich – und das sehr gerne, klar, bei der „Sahneschnitte“ 😉 – nach wie vor (Schreib-)Zeit, da ich sein unheimlich, unheimlich, uuuuuunheimlich langes Leben in seinen Tagebüchern festhalte. Und auch das ist ein Kampf, den ich gemeinsam mit ihm bestreite, denn er und ich haben viel gemein. So wie viele meiner Protagonisten, sei es nun Michael, Ada, Yolanda (eine Hexe, die ihre Bestimmung sucht und findet) oder eine Frau, die einsam durch eine eisige Winternacht zieht, um ewiges Vergessen zu erlangen und schmerzfrei zu werden und am Ende auf den Tod trifft, der ihr all das bietet. Was uns zu meinem neuen Buch führt, das den (fast) unaussprechlichen Titel „Chwedlau Tywyll – Dunkle Märchen“ trägt. „Chwedlau Tywyll“ stammt aus dem Walisischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Dunkle Legenden“. Im Deutschen hat mir dann aber doch „Dunkle Märchen“ besser gefallen, was wir einfach mal „künstlerische Freiheit“ nennen. 😉

Insgesamt sind in „Chwedlau Tywyll – Dunkle Märchen“ sieben unterschiedliche Kurzgeschichten enthalten, wobei die letzte sehr abweicht von den übrigen und ein kleiner Aufmunterer sein soll, da die sechs zuvor doch recht düster sind und ernste Themen behandeln, weswegen die Märchen keineswegs für Kinder gedacht sind. Ernste Themen – damit meine ich solche wie Mutlosigkeit, Trauer, Schmerz, Angst, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, der Wunsch zu sterben, sprich (fast) alles, worüber in unserer heutigen Gesellschaft nur ungern gesprochen wird, was viele nicht wahrhaben wollen, es belächeln, nicht ernst nehmen und oft mit Worten kommentieren wie: „So ein Quatsch! Stell dich nicht so an! Das ist doch gar nicht so schlimm!“ Heutzutage möchte die Gesellschaft die Menschen nur lächeln sehen und nicht weinen. Es ist beinahe so, als wäre es nicht gestattet, zu weinen, traurig zu sein, Momente der Schwäche zu haben und vor allem zu zeigen. Und obwohl Burnout, Depressionen anerkannte Krankheiten sind, werden die Betroffenen oft mit eben jenen Worten wie „Hab dich nicht so!“ bedacht oder als Simulanten dargestellt. Dabei wird vergessen, erstens, dass jeder Mensch anders auf gewisse Umstände und Erlebtes reagiert, und zweitens, dass sich niemand aussucht, so oder so zu sein. Ich habe selbst eine sehr schwierige Zeit hinter mir, in der ich es mit eben solchen Reaktionen und Aussprüchen, die nicht ermutigten, sondern demütigten, zu tun hatte. Daher liegen mir diese Themen und so auch „Chwedlau Tywyll – Dunkle Märchen“ so sehr am Herzen.

Sechs Geschichten, die weder romantisch noch hoffnungsvoll noch fröhlich sind – klingen nach deprimierender Lesezeit? Nicht unbedingt. Denn zum Deprimieren sind die düsteren Märchen mit einem Hauch keltischer Mythologie nicht gedacht. Vielmehr sollen sie ein Augenöffner sein, zum Nachdenken anregen und hoffentlich denjenigen zeigen, die selbst mit den oben genannten Dingen zu kämpfen haben: „Hey, du bist nicht allein. Hier ist noch jemand, der weiß, wie sich das anfühlt.“ Bei uns allen, auch bei mir, ist es so, dass vieles an uns vorbeirauscht und wir es nicht richtig aufnehmen und verarbeiten. Daher ist mein großer Wunsch, dass es mit „Chwedlau Tywyll – Dunkle Märchen“ anders ist. Man kann sich nämlich durchaus mit den Geschichten gemütlich aufs Sofa setzen, in eine Decke kuscheln, eine Tasse heiße Schokolade oder Tee bei der Hand haben und lesen und die Magie und die Botschaften, die in den Märchen stecken, auf sich wirken lassen, hin und wieder innehalten und nachdenken. Dann wird man auch nicht traurig sein darüber, dass die Kurzgeschichtensammlung genau das ist: kurz. Aber seien wir ehrlich: Zweihundert Seiten oder mehr von düsteren Märchen sind zu viel. Und manchmal reichen auch wenige Worte, um viel zu sagen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass wir, du und ich, uns wiederlesen. Ich freue mich darauf.

Deine Nadja

Ja und ich sage ebenfalls Danke für diesen tollen Beitrag liebe Nadja und wir zwei sehen uns ja auch bald in echt. Wer noch ein wenig mehr über sie erfahren möchte, der schaut doch mal in diesen etwas älteren Beitrag von mir rein. Denn ich durfte Nadja schon einmal hier begrüssen.

Autor: ela

Ich denke, träume, knipse, lache, lese, schreibe und dabei vergess ich nie meine Lieben. Vielleicht unterhalten wir uns ja hier, ich würde mich auf jeden Fall sehr freuen und wünsche viel Spaß hier auf meinem Blog.

2 Gedanken zu „Büchertour mit Nadja Losbohm – Tag 8.2“

  1. Hallo und guten Tag,

    Danke für den Einblick in die Lebens-und Gedankenwelt der Autorin.
    Interessant wie schwer ihr als Autorin fällt ein Buch zu beenden und damit irgendwie auch loslassen zu können.

    Hi, da kommt sie mir etwas vor wie eine Mama vor dem letzten Schultag ihres Kindes , die plötzlich merkt ….das Kind wird groß/erwachsen und braucht nicht mehr die helfende Hand der Mama…..

    LG..Karin..

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